Ein Dokumentarfilm über die Sehnsucht,
in der Umarmung mit dem Fremden
sich selbst zu begegnen.

52 min, 2017

Macht Tango glücklich oder einsam? Das ist unklar. Klar ist aber, dass er süchtig macht. Singles finden Menschen, die sie umarmen können. Paare finden ein neues Knistern. Tango ist ein großartiges Schauspiel, wenn man ihn beherrscht, die Tänzerinnen und Tänzer sind wunderschön zurecht gemacht.

Die Tango-Szene weltweit wächst rasant. Doch was suchen Deutsche, Italiener, Franzosen, Russen, Chinesen, Amerikaner, all die Enthusiasten rund um den Globus, wenn sie in die sinnlich-erotische Welt des Argentinischen Tango eintauchen? Bekennende „Tangoholics“ sind mehrmals die Woche auf der Tanzfläche. Es ist eine Sucht, die sie mit Stolz erfüllt, für die man sich nicht schämen muss. Wer in der Tango-Szene akzeptiert ist, hat sich das hart erarbeitet. Wer nicht trainiert, wird es auf der Tanzfläche nicht weit bringen, wird nicht die Leidenschaft erleben, sondern stiller, trauernder Beobachter bleiben. Es dauert Jahre, bis man Tango auch nur annähernd beherrscht. Doch für die Umarmung, um Teil der Szene zu sein, scheint keine Mühe zu groß.

Auch wenn die Musik vielfältig ist, in ihrem Wesen ist sie doch immer gleich. Ob es die alten Tangos sind, die überall gespielt werden, ob wiederentdeckte unbekannte Aufnahmen, die erst kürzlich digitalisiert wurden, oder neue Kompositionen. Eins gilt unumstößlich: alle Lieder sind traurig und melancholisch. Auch der Vals und die schnelleren und etwas fröhlicheren Milongas können das nicht aufwiegen. Nacht für Nacht genießen die eng umschlungenen Paare, sich in Trauer zu wiegen. Die Sinnlichkeit und Intensität dieses schönen, den Schmerz kultivierenden Genusses rechtfertigen das harte Training und dass die Tänzerinnen und Tänzer sich strikten Geschlechterrollen und hierarchischen Regeln unterwerfen. Es scheint dass Tango den Kummer verstärkt und zugleich die beste Therapie verspricht.